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Hier die genauen Angaben, wo der Artikel über Boy erschienen ist:

New Graceland, Schweiz - Vereinsmagazin, Die Zeitschrift zur Rettung der Windhunde (www.newgraceland.org) - Nr. 2/2009 Titel: BOY - Klarer "Sechser im Lotto".
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Text des Artikels über Boy

BOY - Klarer "Sechser im Lotto"

Soeben hatte ich eine Mail aus Ungarn erhalten. Mit hastig geschriebenen Zeilen bat mich darin Andrea, eine gute Bekannte und Tierschützerin, um Unterstützung für einen Notfall. Das Bild eines Hundes im Anhang zeigte einen offensichtlich noch jungen Rüden mit abgelöschtem Blick, angekettet in einem dunklen Dreckloch. Jeden Tag gehen solche Anfragen in Bilten ein und nicht immer kann ich helfen - aber es machte "klick" und ich konnte einfach nicht wegschauen. Die Augen des Hundes übermittelten mir mit Lichtgeschwindigkeit sein ganzes Schicksal und flehten mich an:

"Ich bin allein, es ist schon Nacht und stille wird's im Haus,
dort ist ein Feuer angefacht, da ruht sich Frauchen aus.
Es liegt im warmen Federbett, deckt bis ans Ohr sich zu
und ich auf meinem harten Brett bewache seine Ruh'.
Die Nacht ist kalt, ich schlafe nicht, der Wind aus Ost weht kalt,
die Kälte ins Gesicht mir kriecht, ich fühle mich uralt.
Die Hütte, die man mir versprach, noch immer ich entbehr.
Der Regen tropft durchs morsche Dach, Stroh gab es lange nicht mehr.
Die Nacht ist lang, zum zehnten Mal leck' ich die Schüssel aus,
den Knochen, den ich mir versteckt, ihn grub ich längst schon aus.
Die Kette ist so oft geflickt, sie reibt den Hals mir bloss,
sie reicht nur noch ein kleines Stück, nie werde ich sie los.
Waf Freiheit ist, das lern' ich nie, doch weiss ich, ich bin treu,
so lieg' ich, warte auf den Tod, denn dieser macht mich frei."

(Verfasser unbekannt)

Ja, das war BOY. Ein einziges Häufchen Elend, dass sich schon aufgegeben hatte, blickte mir aus einem wuscheligen Hundegesicht entgegen. Welche Rasse? Keine Ahnung, aber es war ein Hund, der am Ende war und schnellstens Hilfe brauchte. Konnte ich da noch zögern?

"Wir werden helfen, aber ganz sicher!" mailte ich Andrea zurück.
Andrea, welche früher in Spanien ein Tierschutzprojekt geleitet hatte, war nach vielen Jahren in ihr Heimatlang Undgarn zurückgekehrt. Und wie es so ist, die "Katze lässt das Mausen nicht", will heißen, das Leid der Tiere lässt keinen mehr los, der es einmal wahrgenommen hat. Andrea wollte und musste im Fall BOY einfach wieder rückfällig und aktiv werden. Es war sicher kein Zufall, dass gerade sie auf BOY aufmerksam wurde. Für ihn war ein anderes Leben vorbestimmt...
Nachdem ich grünes Licht für eine Aufnahme im Glarnerland gegeben hatte, schritt Andrea zur Befreiung von BOY. Diese Aktion ging ganz ohne "Palastrevolution" über die Bühne. Der strubbelige, mittgelgrosse Mischlingshund gehörte einer alten Frau, welche die Freude an ihrem Wächter schon vor langer Zeit verloren hatte. Er war zu einem überflüssigen "Brotfresser" geworden, den sie gerne freiwillig und lieber heute als morgen verschenkte. Selbst Wasser zu bringen waren ihr lästig geworden und so gab sie den verfilzten Vierbeiner weg, wie man eine alte Decke weggibt.

Andrea nahm Boy zu sich und wenig später reiste Boy in die Schweiz ein!
Hier begann ein völlig neues Leben für den noch jungen Hund. Mit drei Jahren kannte er gar nichts, ausser dem Kettenleben eben und das ist ja nicht gerade viel. Ein Geschirr konnte man ihm anfangs nicht umlegen und wenn er alleine in den Auslauf durfte, rannte er und rannte und rannte... so als müsse er jetzt endlich die ganzen verpassten Bewegungen nachholen. Er hatte einen ganz unglaublichen Drang herumzuflitzen, Sprünge zu vollführen und eine Runde nach der anderen zu drehen. Einfangen lassen wollte er sich danach natürlich nicht so ganz einfach. Wie sollte er auch wissen, dass er jetzt nicht zurück an die Kette musste, dass diese Qual jetzt definitiv Vergangenheit war. Aber gemeinsam schafften wir es. Wir konnten BOY davon überzeugen, dass die Leine etwas Positives verhiess. Während er anfangs auch schon mal nach hinten schnappte, wenn man ihm das "Geställtli" anziehen wollte, wartete er immer häufiger darauf, dass Rita, unsere ehrenamtliche Helferin, ihn abholte. Rita kam jeden Tag Punkt sieben. Wenn sie ihr Velo abstellte, war BOY schon voller Erwartungsfreude. Er hatte verstanden, dass er von Rita zu tollen schnupperabenteuern ausgeführt wurde und genoss diese immer mehr. Fürsorge und Geduld hatten zum Erfolg geführt! Rita hätte BOY eigentlich gerne für immer zu sich nach Hause genommen, das ging aber wegen der Samtpfoten nicht, die dort leben. Schade, dachten wir da noch beide!

Einen Hund so "auftauen" zu sehen ist etwas vom Schönsten in meiner Arbeit. aber das Beste kam erst noch. BOY fand das richtige Zuhause!!! Nachdem sich Boy an andere Hunde, Spaziergänge, Leine und menschliche Berührungen einigermassen gewöhnt hatte, wagten wir den Besuch bei der Hundecoiffeuse. Nach einem Bad und einigen geübten Handgriffen hatte sie einen wunderschönen, rauhaarigen Mischlingsrüden aus einem Berg von Haaren geschält. BOY hatte einen alten, schweren Haarmantel abgelegt und sein altes Leben gleich mit. Denn so gestylt, wurde BOY einem freundlichen Ehepaar vorgestellt, welches seinen Riesenschnauzer verloren hatte. Schon beim ersten Besuch lief BOY schnurstracks auf den Mann zu, machte Sitz und erhielt ein Guetzli, das er ganz zart annahm. Die beiden netten Leute erkannten in BOY gleich ihren Traumhund und adoptierten ihn bald darauf. Im neuen Zuhause gibt es für den "Rauhaar-Ungarn" einen grossen Garten, der ausbruchsicher eingezäunt ist. Das braucht es auch, denn BOY jagt nicht nur Katzen.

Neulich habe ich meinen Ex-Schützling in seinem Daheim besucht und kann überglücklich berichten, wie gut es BOY mit seinen Zweibeinern getroffen hat. Der ehemals verwahrloste und traurige Kettenhund hat seine Familie gefunden. Dort wird er als lustiger, interessanter Gefährte geliebt. Und was das Beste ist: Eine vierbeinige "Julischka" zwar nicht aus Budapest, aber egal, gibt es dort auch. Mit der kann BOY herrlich herumtoben. Da der Garten rund ums Haus geht, ist das eine prima "Endlosrennbahn für bewegungsfreudige Rundstreckenläufer".

"Was Freiheit ist, das lern' ich jetzt,
ich glaube schier, ich träum',
die Kette ist Vergangenheit,
ich lebe, ICH BIN BOY!
(Verfasser bekannt)

Geschrieben von: Barbara Jetzer...

AndreaRapolthy@ungarn-tierhilfe.eu
www.ungarn-tierhilfe.eu
0036 (06) / 30 - 412 99 13

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